WEIL SIE NICHT GESTORBEN SIND // 
EINE GRIMM TRIOLOGIE von Hannah Zufall
Deutsches Theater Göttingen
2016










Regie: Brit Bartkowiak
Bühne + Kostüm: Carolin Schogs
Musik: Ingo Schröder
Fotos: Thomas Müller + Paula Markert + Carolin Schogs


Es war einmal eine Zeit, und es war eine sehr aufregende Zeit, als Märchen nicht zwischen Buchdeckel gepresst, sondern frei mäandernd in aller Munde waren. Eine Zeit, in der Märchen für Erwachsene erzählt wurden. Und sich nicht von der Romantik in lieblich kolorierte Welten und vom Biedermeier in pädagogisch wertvolle Rollen zwängen ließen. Was also, wenn sich die Märchenfiguren aus den Grimmschen Geschichten lösen und sich selbst wieder neu erzählen? Wenn Allerleirauh nicht nur ihrem Vater, sondern auch den Grimms trotzt. Wenn aus vogelfreien Fabelwesen mündige Gestalten aus Fleisch und Blut werden. Wenn Brüderchen und Schwesterchen ihre eigene Geschichte erfinden wollen. Und wenn die sieben Raben von einer abgeklärten Schwester befreit werden, die längst begriffen hat, nach welchen Regeln in der Märchenwelt gespielt wird.

In Hannah Zufalls Neubearbeitung der Volksmärchen »Allerleihrauh«, »Brüderchen und Schwesterchen« und »Die sieben Raben« wissen die Figuren um ihre Fiktionalität und setzen sich mit der Allgegenwärtigkeit ihrer Autoren auseinander. Die drei Märchendramen bauen aufeinander auf und loten die Möglichkeiten märchenhafter Leerstellen aus. Dabei verschwimmen Märchen- und Theaterillusionen zusehends, denn das Eigenleben der Figuren entpuppt sich gleichermaßen als theatrale Konstruktion und lustvolles Verwirrspiel mit der Macht des Erzählens.